Dienstag, 14. Oktober 2008

Japanisch am Abend

Gut überstanden,
Den Medical Check. Das Jetlag aber noch lange nicht. Als wir gegen 12 wieder am Hotel abgesetzt werden, sind wir schon wieder so richtig müde. Meimeimei, dabei ist heute schon der vierte Tag hier, und ich fühl mich wie neu angekommen.
Wir stellen den Wecker auf 2h von hier an, und hauen uns ins frisch gemachte Bett. Nach einer Stunde wache ich auf und fühle mich nach Aufstehen. Kaffeedurst, so scheint es, hat mich geweckt. Arndt macht noch keinen Mucks.

Um Arndt nicht mit Tastengeklapper zu stören, packe ich mein Schleppi ein, schreibe ihm einen Zettel, und mache mich in Richtung Starbucks bei "The Place" auf, denn bei Starbucks kriege ich nicht nur Kaffee sondern immer auch kostenloses WLAN.

Fahranfänger:
Sich zum Affen machen sich nicht nur Nicht-Chinesen, wenn Sie chinesische Schriftzeichen auf dem Shirt tragen, nein, auch Chinesen können das recht gut. *lach*
Westliches ist hier in China schwer angesagt. Auch bei Autoaufklebern. Würd ja auch nicht so, dass es jeder versteht, auf mein Nichtfahrenkönnen aufmerksam machen wollen. *grins*

Starbucks am "The Place":
Und noch ca. 100 Mal in dieser Riesenstadt. Deswegen ist es auch nicht tragisch, dass es hier nur noch eine Beijing-Tasse gibt. Die diesjährige Kollektion ist sehr hübsch und hat keine Übertopf-Größe. Das eingesteckte Geld reicht für einen "Grand Latte" und die Tasse.
Bescheuert. Grande Caffe Latte, kurz: Grande Latte. Große Milch. So bescheuert. Wenigstens heisst er auf der ganzen Welt so. Und ist doch nur ein Milchkaffee. Aber lecker. Der tut richtig gut. Vielleicht stell ich irgendwann auf grünen Tee um, aber heute noch nicht.

Akku alle:
Aber nur mein Schleppi, meinem inneren Akku hilft der Kaffee hervorragend. Die einzige Steckdose in meiner Reichweite ist leider schon besetzt, von der Frau die grad noch ihr Wasser über ihren Schoß, ihren Rucksack und auf die Sitzbank gekippt hat. Ich konnte ihr mit Tempos helfen. Und diese winkt und lächelt mir jetzt zum Abschied freundlich zu. Ich kaufe für Arndt noch einen Milka "to go", den hat er grad noch über E-Mail bestellt, und gehe zurück ins Hotel.

Noch eine Runde arbeiten für Arndt, ich versuch endlich den Wohnungsmarathon zu beschreiben, damit wir nicht alles völlig vergessen. Und dann geht's auch schon los zum heutigen Abendprogramm.
Der Plan ist, zuerst bei Arndts Kollegen die Wohnung im Central Park (Tower 13, 10. Stock, App. No. 1007) anzuschauen, und dann gemeinsam zum Japaner zum Essen zu gehen.

Housing Policies:
Nach der Wohnungsbesichtigung - Ja, wir wollen auch einen richtigen Balkon und eine solche Küche! - setzen wir uns zu den Anderen an den großen Eßtisch. Zu Besuch sind auch die Schwester des Gastgebers mit Freundin, und ein Kollege aus England. Lauter nette Menschen.

Arndts Kollege und seine Frau sind im September 2007 nach Beijing gezogen, damals galt noch die alte "Housing Policy". Bei ihnen ist vieles, was wir extra bezahlen sollen, in der Miete integriert:
  • Hausmädchen, das 3 Mal die Woche saubermacht,
  • Parkplatz und nächtliches Autowaschen (Jeep Cherokee, da gibt's einen Nachtarbeiter, der jede Nacht das Autos wäscht, aber wir werden im Hotel aufgefordert, was ja auch total OK ist, aus umweltschutzgründen, die Handtücher mehrmals zu benutzen. Schizo.),
  • Fitness Studio,
  • Hausverwaltungskosten,
  • Sat TV,
  • Breitband Internet,
  • Heizung (Heizperiode ist 15.11. bis 15.04. Kann es in D nicht auch so kurz sein, Bitte?
Nur Gas, Wasser, Strom und Telefon gehen noch extra. Tja, dann sind wir mal gespannt, die Sachen kosten hier soviel oder mehr als in D, und wenn wir nicht aufpassen, dann zahlen wir für die Nebenkosten hier soviel wie für die Miete in unserer schnuckeligen Dachwohnung in ULm. Dabei sind das Hausmädchen und der Autowäscher noch die billigsten Posten.

Ulmer in Beijing
Die Mädels trinken Weisswein aus Chile. Die Jungs trinken gutes chinesisches Tsingtao Bier (gebraut nach deutschem Rezept) aus zwei gläsernen Gold Ochsen Krügen und einem Porzellankrug mit Zinndeckel auf dem "Ulm" steht und das Münster abgebildet ist. Wie seltsam, diese Krüge hier auf dem Tisch zu sehen.
Bier trinkt man hier im Lande ansonsten meistens aus winzigen (die Russen würden Wodkagläser sagen) Gläsern, und es werden halt soviele Flaschen bestellt, wie es Sinn macht, und dann der Inhalt auf alle Gläser verteilt, dann ordert man mehr Flaschen nach, wenn die Gläser leer sind.
Der Trinkspruch ist "Ganbeí!" und heisst soviel wie "Mach es trocken" (das Glas). Ich muss sagen, das geht auch leichter, wenn das Glas kleiner ist. *grins*

Ausflüge, die man schnell noch machen sollte:
Arndts Kollege wird mit seiner Frau und dem Besuch morgen eine Yangtse Tour machen. Sollte man auch tun, solange die große Talsperre, bzw. der See, den sie dann verursacht, nicht das ganze, schöne und berühmte Tal mit Landschaft und Tempeln für die Fische zugänglich macht.

Aber jetzt mal schnell zum Essen gegangen, das norwegische Vorglühen macht uns alle richtig hungrig.

All you can eat und mehr: Der Japaner der Wahl ist im dritten Stock eines Bürohochhauses in der Cho Wei Strasse. Wenn man den Tisch von Nokia aus reservieren lässt (Assistentin macht das dann) dann bekommt man auch noch 10% (oder waren's 20? weiss nicht mehr) Rabatt.
Es gibt all-you-can-eat-Buffet mit kalten und warmen Sachen und Bier in großen Krügen (gezapft). Wir bestellen auch noch verschiedene Dinge von der heissen Platte, die uns der Koch am Tisch zubereitet.

Das ist DEFINITIV das leckerste japanische Essen, das ich jemals hatte. Naaaaa gut, Sooooooviele hatte ich auch noch nicht. *grins* Trotzdem. DEN muss man sich merken.

Auch wenn ich mich nicht so recht mit dem zum Buffet dazugehörenden Krebs anfreunden kann. Das wenige Fleisch, das drin ist, schmeckt fein. Hinterher erstmal Händewaschen. Immerhin hab ich kaum fremde Hilfe (Danke, Arndt!) benötigt, um den ersten Aufbruch zu machen. Andere, ich will jetzt keine Namen nennen, liessen sich das Teil von der Bedienung mit Plastikhandschuhen aufbrechen.

Weiterhin gibts Rindfleisch, Jakobsmuscheln, Fischfilet, große Krabben. Alles auf den Punkt gegart und oberlecker. Wir bestellen soviel nebenzu, dass ich keinen Platz mehr habe, um, ausser noch eine Portion rohen Thunfisch, vom Buffetangebot zu nehmen. Der Thunfisch ist so zart, der schmilzt auf der Zunge. Jo. Sollte mal jemand nach Beijing kommen, Hado rockt!

Und als wir bezahlen, finden wir, das müssen wir auf jeden Fall wieder machen, 180 RMB pro Person, wie geht denn das?

Welcome home:
Nachdem wir den Yangtse-Bootsfahrern einen schönen Kurztrip gewünscht haben, und einem schönen, kurzen Nachtspaziergang, heisst uns unser Zimmer willkommen. Der Abendboy war da, und hat es uns gemütlch gemacht.
Wir öffnen noch das um die Ecke, im Kiosk unserer Wahl, gekaufte Bier, schalten HBO ein und trinken unsern Nachttrunk im Bett.
Gute Nacht.

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