Ein bisschen mulmiges Gefühl. Fernreise in den Osten. Premiere! Zumindest für mich. Sitzen zunächst nicht zusammen, da irgendwie der tolle LH Service ja auch schon ein online einchecken am Abend vorher möglich macht, und als wir am Check-in stehen zwar keine Schlange ist, aber trotzdem die Plätze schon fest vergeben waren. Alle Plätze, auch meiner. Aber der Geschäftsreisende hat es dann doch nach dem Start eingesehen, dass er es überleben wird auch ohne die direkte Nähe (Reihe hinter mir, ich sitze 55 am Fenster) seiner zwei Kollegen nach Beijing zu fliegen, und Arndt konnte mit ihm (Reihe 37) tauschen. (Ich hätte es näcmlich schlecht überlebt, nicht neben Arndt zu sitzen, wenn wir schonmal ausnahmsweise im selben Flieger reisen, und vor allem bei diesem Anlaß finde ich das einfach zwingend notwendig.)
Wenn man statt O-Saft oder Wasser einen Gin Tonic bestellt fliegt sich's einfach netter. (Ich reise ja fast immer im Billigflieger oder Kurzstrecke, da gibt's nie Coktails! LH rockt.) Die Stewardess meint es dann auch noch richtig gut mit uns, und der erste Schluck haut mich fast um. Also immer ein bisschen abschlürfen, dann Tonic nachleeren. Magisches Grinsen setzt zum ersten Mal auf dieser Reise ein.
Menschen auf engem Raum:
Jetzt hab ich auch den strengen Menschengeruch der Delegation aus Afrika neutralisiert. Naja, die sind sicher schon ein bisschen länger unterwegs. Ist jedenfalls ein Spitzenanblick. Ich will auch so ein buntes Kleid und eine Geschenkverpackung um meinen Kopf, da hat man das Kopfkissen quasi gleich dabei, und was man da drin alles verstecken könnte...
Abendessen:
Der Rotwein zum Gulasch (muss schon nochmal sein) macht einen dann einigermassen schlaffähig. Auch der weisse zum Asia-Hühn tut seine Wirkung. Mann, ich hatte schon völlig vergessen wie laut so ne 747 auch innen sein kann. Dafür bietet der Fensterplatz in der vorletzten Sitzreihe verdammt viel Beinfreiheit und links zum Fenster hin reichlich Platz für das Handgepäck, Schuhe, Jeans (hab gleich nach dem Gin Tonic sicherheitshalber in die Jogginghose gewechselt und die dicken Haussocken angelegt). Dann mal gute Nacht.
4 Stunden Schlaf?:
Nach überraschend gutem, leider etwas kurzem Schlaf weckt mich der Geruch nach den heissen Tüchern, die von den Stewardessen vor jedem Essen zur Erfrischung von Gesicht und Händen gereicht werden. Ich will aber die Augen noch nicht aufmachen, und Arndt zuckt auch noch nicht, also geht dieser Kelch diesmal an uns vorüber. Erst als es anfängt nach Kaffee zu riechen zieh ich mir die Schlafmaske vom Gesicht, und siehe da, kann grad noch rechtzeitig nach links anstubsen dann die Frage ob ich Omelett oder Nudeln frühstücken will (mag Nudeln!) beantworten und dabei zügig das Tischchen runterlassen, als das Frühstückstablett serviert wird. Seeeeehr gewöhnungsbedürftige Mahlzeit.
Kurz vor Touchdown:
Die Einreisezettel werden ausgefüllt, warum man das noch machen muss, wir haben doch ein Visum im Pass kleben auf dem steht eigentich alles drauf, was ich jetzt auf diesen Zettel schreiben muss... aber dafür kann enie der Madams aus Afrika kein Englisch und schiebt freundlich aber bestimmt Arndt ihren Pass (Aha, was ein Zufall Äquatorial-Guinea, das einzige Land in ganz Afrika, in dem Spanisch gesprochen wird. Soll nochmal einer sagen, das mit dem Spanischlernen war ne blöde Idee, jetzt wo's nach China geht!) und ihren Einreiseschein rüber, damit er ihn für sie ausfüllt. De nada, Bernardita.
Baggage claim:
Zum Gepäckabholen fährt man mit dem Zug (wie in Houston, falls das jemand interessiert) und bis wir dann am Kofferkarussel ankommen, purzelt das Gepäck auch schon runter. Alles da, und alles unbeschädigt, dann kann's ja jetzt zum Geldabheben gehen. Schnell noch durch das "Nothing to declare"-Tor (nein, ich habe keine rohen Agrarprodukte dabei, Leinsamen, find ich, zählen nicht), Geldautomat anhand der Schlange lokalisiert, die aber nicht wirklich lang ist, und Arndt versorgt uns mit Rimimbi (wie man's schreibt, keine Ahnung, aber aussprechen tun die das hier so oder so ähnlich. 1€ := 10 RMB, ungefähr)
Taxi!:
Taxifahrer spricht ein bischen Englisch, versteht aber trotzdem "Traders Hotel" nicht, wie gut dass Arndt in weiser Voraussicht das Logo und den Namen vom Hotel in der Landessprache und in den landestypischen Zeichen auf dem PDF und das PDF auf dem Handy hat. Dokument auf Handy öffnen, Reinzoomen, Schriftzug mit dem Handy dem Taxifahrer zeigen. Er liest die Zeichen laut vor, es hört sich ungefähr an wie "Teades OdEhl", is jut, das meinen wir, vorwärts, nix wie hin. Ich bin hundemüde. Es ist doch schon Samstag, morgens 8 Uhr. Wow, und gerade in China angekommen.
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