Montag, 13. Oktober 2008

Das etwas andere Frühstück und ein kleiner Stadtspaziergang


NIEHA (Guten Tag) China World Trade Tower III:
Mit Betonung auf beiden Silben und einem leichten nasalen A am Ende, von wegen ha-o, das O verschlucken die großzügig. Beijing-Slang, vermute ich und meine: je weniger dieser Laute in einem Wort sind, desto besser.
Dass wir auf eine der zahlreichen Business District Großbaustellen schauen, wenn wir den Vorhang unseres Hotelzimmerfensters zurückziehen, habe ich ja schon erwähnt. Hier kann jetzt jeder diesen tollen Anblick mit uns teilen und die ersten paar Stockwerke des größten Turms hier in der Gegend bei Nebel (es wird uns mehrmals versichert, das sei kein Smog) bewundern. *grins*

Arndt muss heute zum ersten mal ins Office. Der neue Nokia Campus liegt ein gutes Stück südlich von hier, in einem von Beijings Donautälern (:-), wenn das nicht spannend ist. Und die Zeitverschiebung macht uns ganz schön zu schaffen. Eigentlich ist es für uns noch mitten in der Nacht, hier ist aber schon seit 2h Geschäftszeit, da der Chinese an und für sich ein Frühaufsteher, Langarbeiter und zeitig ins Bettgeher ist.

Aber erstmal ab zum Frühstück. Meine Verdauung ist auch noch richtig müde. Ich werde heute mal chinesisch frühstücken, vielleicht kurbelt das ja die Darmtätigkeit an. *grins*

Mein Plan ist, nach dem Frühstück zu Fuß den CBD und vor allem die gestern besichtigten Central Park Appartmenthäuser und die Gegend drumherum zu erforschen. "Ist das schön da auf dem Monde, Wackeldackel, oder ist das nicht schön da auf dem Monde? Und vielleicht komm ich am Nachmittag dazu das auch bei den anderen besichtigten Wohnungen zu machen. Irgendwie müssen wir anfangen, die möglichen Wohngegenden näher zu erkunden. Die Woche ist echt verdammt kurz.

Nudelsuppe, Tee-Ei und gedämpfte Hefeklößchen:
Beijing ist ja bekanntlich eher im Norden von China und wurde zu Dynastie-Zeiten (Ming, Ding, Yang, wie auch immer..) die nördliche Hauptstadt genannt. Damals gab es auch noch für jede Himmelsrichtung eine Haupstadt. Im Norden von China ist Reis nicht so wirklich angesagt. Und hier in der nördlichen Hauptstadt sind die Nudelmacher maßgebend beim Aussehen der typischen, regionalen Gerichte. Und das wirkt sich dann natürlich auch auf's Frühstück aus.

In unserer Frühstücks-Suppe schwimmen heute dicke Gelbe Nudeln, Fischklößchen in zwei verschiedenen Ausführungen, Surimi (das ist gepresstes und einseitig rot eingefärbtes Krabbenfleisch, Meister des Fassadenbaus allesamt hier.), Kohl und in Streifen geschnittene Pilze. Dazupacken kann man sich Sojasoße, Chilisoße, Frühlingszwiebelchen, Koriandergrün, Chilischotenscheibchen. Ich hau mal von allem ein bisschen rein. Ja, seeeehr seeeehr lecker, daran könnte ich mich gewöhnen. Ich, die sonst vor 10 Uhr morgens nichts isst. Muss daran liegen, dass mein Jetlag-gebeutelter Körper diese Mahlzeit heute wohl eher als Mitternachtsimbiss sieht.

Tee-Eier, sehen aus als ob sie ungenießbar sind. Sie sind aber nur in einer Sojasoßen-Wasser-Teemischung gekocht. Die Schale wird angeknackst, so dass die ganze hübsche dunkelbraune Soße auch das Eiweiß ca. 3 mm dick eifärben kann. Schmeckt würzig, aber sonst wie ein normales gekochtes Ei. Alles nur für's Auge.
Der Hefekloß ist mal gefüllt, und mal nicht. Heute sind sie nicht gefüllt, eher neutral, ich ess sie zum Ei, könnte sie aber genausogut mit Marmelade bestreichen. Nach diesem Frühstück, viel Saft und Tee sind wir pappsatt, und Arndt muss auch so langsam mal los, sagt tschüß und nimmt ein Taxi ins Büro.
Ich will ja auch gleich mal los, kaum zurück auf dem Zimmer überfällt mich jedoch ein Schlafanfall und ich muss erstmal ins Bett. Vorher schaff ich noch, das "Bitte nicht stören"-Schildchen aussen an die Tür zu hängen, da ich vorher auf dem Flur schon die Wägen der Zimmermädchen entdeckt habe, und echt nicht gestört werden will.

Nach dem 2h-Schläfchen bin ich zwar auch nicht fitter, aber ich kann ja nicht ewig in der Deutschland-Zeit hängen, während hier schon der Nachmittag anbricht. Also, raus aus den Federn, nochmal frisch machen und siehe da. Suppe am morgen erleichtert ungemein. Es kann befreit und leichtfüßig in die Stadt gegangen werden. *freu*

Zum Central Park Wohnkomplex ist es echt nicht weit, ich gehe ziemlich langsam, starre die Menschen und Gebäude an und brauch grad mal 15 Minuten. Das Café mit dem Illy-Schild im Fenster entdecke ich auch gleich, ach ja, so ein richtiger Milchkaffee zum Aufwachen wär echt nicht schlecht. Wie nicht anders erwartet, spricht hier alles Englisch, ich fühl mich gar nicht wie in China, bekomme einen phantastisch duftenden Milchkaffe im Mitnehmbecher, reiche 25 RMB rüber und setze mich schliesslich raus auf eine Bank in einer der Grünanlagen.

Als es anfängt zu tröpfeln starte ich in Richtung "The Place". DER Platz, echt wahr. Das Neueste in Beijings zahlreichen Einkaufstempeln mit der größten LCD-Leinwand der Welt, die den gesamten Platz der Länge nach überspannt. Absolut angesagt. Rolex, Nike, noch ein Starbucks Coffee Shop, westliche Restaurants, Smoothie-Bar, you name it, they have it. Höher, schneller, weiter, alles für's Auge. Bei Tag schon ein krasser Anblick, bei Nacht kaum zu beschreiben.
Ich gehe die angrenzende breite Dongdaqiao Straße in Richtung Norden weiter und habe bald mein erstes 8-spurige-Strasse-überqueren-als-Fußgänger-Erlebnis. Tschagga! Gut, dass ich an den kleineren Straßen (4-spurig) schon geübt habe, und Arndt mir immer wieder eingebleut hat, ich soll die Fußgänger-Ampeln ignorieren, mit den Einheimischen mitlaufen, auf die Rechtsabbieger, Fahrradfahrer und Elektrobike-Fahrer IMMER gesondert achten.

Es klappt hervorragend. Keiner hupt mich an, obwohl ich mittlerweile weiss, dass vor allem für die Chinesen die Hupe erfunden wurde (Sorry, Italien ist ja so leise dagegen!). Hupen muss man ca. alle 2 bis 3 Minuten als Taxifahrer. Es ist aber auch eher eine Art auf sich aufmerksam zu machen, als seinen Unmut über irgendwas kundzutun. "Aaaachtung, hier kommt was!"
Bspw. hupen Moped- und Autofahrer, wenn sie nahe an Fußgängern vorbeifahren, oder um diese am Zebrastreifen, über den das Fußvolk gerade in Massen geht, auseinander zu treiben. Und ich dachte, der Zebrastreifen ist der Strassenbereich in dem die Fußgänger Vorfahrt haben. Ha, selten so gelacht. Das gilt hier nicht. Macht aber nichts, der Beijinger braucht weder Zebrastreifen noch Fußgängerampel um eine Strasse zu überqueren.
Das geht dann ungefähr so:
Schau genau auf den Verkehr, halte nach einer Lücke Ausschau, dann geh zügig los, bleib zwischen den Fahrbahnen stehen (huuuuup), bei einer weiteren Lücke, geh zügig weiter bis zur Mitte (huuuup), schau in die andere Richtung, bei einer Lücke, geh weiter (huup) usw., bis du auf der gegenüberliegenden Seite angekommen bist. Großartiges Erlebnis! Bungee-jumping brauch ich echt nicht. Ich lauf einfach durch Beijing. Die Steigerung ist vermutlich Radfahren. Aber mir reicht heute erstmal der kleine Spaziergang.

Als ich links, nach Westen in die Chaoyangmennei Dajie einbiege, entdecke ich neben dem Mac einen Supermarkt, geh rein, endlich mal nur chinesisch beschriebene Verpackungen. Das Keksregal sieht interessant aus. Ich kaufe aber zwei Tsingtao (Bier) und ein großes Wasser, betrete die angrenzende Bäckerei. Mal sehen was es hier so gibt.

Bunte Torten, ob die auch so süß schmecken wie sie aussehen? Keine Ahnung, ich kauf zwei salzige Teilchen und zwei süße Stückchen noch dazu (denke ich, *lach*). Eins der salzigen esse ich gleich draussen, lecker, den Rest hab ich zusammen mit den Bierflaschen und der Wasserflasche in einer dieser dünnen Plastiktüten, die man bei uns auch kriegt, und in die ich sonst Tomaten im Supermarkt reinlade...

Hier steht noch der Rest eines alten Stadttores zwischen den glänzenden modernen Bauten, gegenüber ist ein Tempel.

So langsam wird es schon dunkel und ich beschliesse umzudrehen um langsam ins Hotel zurück zu gehen. Genug gesehen für heute. Hab zwar mein Plansoll überhaupt nicht erfüllt, aber das war immerhin schonmal was. Das Jetlag und der gestrige Tag machen Spazierengehen ganz schön anstrengend. Und später wollen wir ja noch irgendwo einen Happen essen gehen.

Kurz bevor ich im Hotel ankomme, kracht mir noch mitten auf der einen großen Strasse der Henkel und der Einkauf reisst mir aus der Hand und fällt auf den Beton. Eine Bierflasche zerbricht und neben mir schäumt es aus und in der Tüte. Na bravo, nur noch ein Bier übrig. Das zweite salzige Ding kriegt ein komplettes Bierbad, die zwei vermeintlich Süßen Teile überleben, da sie besser in Plastik eingewickelt sind als die Schinkenstange. Egal, ich hab genügend Klopapier dabei um die übriggebliebenen Teile sauberzumachen, jetzt passt auch alles in meine Umhängetasche, die reisst wenigstens nicht. Schade nur, dass Arndt die Schinkenstange nicht kosten kann.

Er kommt dann auch gleich nach mir im Hotel an, und versucht eins der süßen Teile. Ha, es stellt sich heraus, das ist ein Ei (keine Aprokose!) in der Mitte des Sandwichs und das obendrauf sind keine Streusel sondern Mais mit irgendwas überzogen. Meister des Fassadenbaus, auch die Bäcker hier. Wir lachen herzlich, Arndt will auch viel lieber einen herzhaften Snack, bevor wir unser Nickerchen machen. Dann passt ja alles, zusammen mit dem Apfel und der Nashi ist das auch fast schon ein komplettes Essen.

Trotzdem zieht es uns noch in die Stadt. Die Show am Platz muss man auch mal ansehen. Die spinnen, die Chinesen. Wir schauen uns die Show bis zum Ende an, sind nur noch 10 Minuten. Nackenstützen wäre von Vorteil.

Wenn grad keine Wale über einem vorbeiziehen, dann fliegen, wie links, Glückslaternen in den Himmel..

...oder man kann eine Art Meteoritenzusammenprall beobachten. Das Ganze wird von lauter und pompöser Musik begleitet. Wir staunen.

Schliesslich gehen wir weiter in Richtung 1. Botschaftsviertel, in die nördliche Ritan Road, durch das Russenviertel. Nein, uns ist nicht nach Russisch, wir sind ja schliesslich in China. Abe gleich danach kommt auch schon ein chinesischer Imbiss, der Spiesschen und Nudeln serviert, wie wir auf den Tischen der innensitzenden Chinesen beim an die Theke gehen beobachten können.

Ich bin dran mit bestellen. Gar nicht so einfach, wenn die Karte hinter der Theke an der Wand wiedermal nur diese hübschen Zeichen listet, keine Bilder, nur chinesische Schriftzeichen (Pinying, wo bist du??). Die dabeistehenden Preise sind jedoch allesamt unter 20 RMB, so dass es echt egal wäre, wenn das Bestellte ungeniessbar ist.

Also, munter das Handzeichen für "6" gemacht, und auf Deutsch bestellt: "Ich hätte gern 6 dieser Spiesse, die der Mann da drüben am Tisch hat" (is ja wurscht, die Kleine hinter der Theke kann weder Englisch noch Deutsch und ich kein Chinesisch, da kann ich auch einfach Deutsch sprechen.). Mit dem anderen Arm zeige ich in Richtung diesem Mann und seinen Kebab-Spießen. Sie fragt mich was auf Chinesisch. Ich zeige "2" und sage "Sechs Stück reichen, und noch zwei Bier dazu bitte." Mein freier Arm zeigt nun hinter die Theke zum Glastürenkühlschrank in das Fach, wo die grünen Flaschen liegen. Klappt. Zumindest schreibt sie was auf legt den Zettel in die Küche, holt zwei Bier raus, stellt sie uns hin und tippt den Preis in die Kasse. 12 RMB. Bitte? Echt, oder was? Hab ich Luft zu den Bieren bestellt?? Ich zahle, sage "Xiéxie" und wir setzen uns und trinken erstmal was.
Kurze Zeit später werden die Spießchen an denTisch gebracht, eigentlich holt man sich die an der Theke ab, aber wir werden bedient. OK, wir haben Spießchen und Bier, ist ja schonmal ein Anfang. Aber ich will auch noch was von dem eingelegten Gemüse und so ein Nudelgericht könnten wir uns auch noch teilen.

Also, meine nächste Bestellrunde beginnt, zurück an die Theke. Weil ich grad nen Lauf hab, schaff ich es tatsächlich (ich wundere mich heute noch) ein gemischtes Gemüsetellerchen und eine Rindfleischsuppe zu bestellen, die wir auch wieder an den Tisch gebracht kriegen. Dies kostet uns nochmal 21 RMB und ist äußerst lecker. Nachdem wir, untypisch für hier, alles aufgegessen haben, die zwei Bierchen geleert sind, kommt auch rompt diese unglaubliche Müdigkeit wieder.

Wir gehen langsam zum Hotel zurück. Das war ein sehr interessanter Tag. Da muss man erstmal schlafen, denn morgen haben wir ja diesen ominösen "Medical Check" (die ärztliche Untersuchung, die man machen muss, wenn man ein Nicht-Touristenvisa haben will). Wir sind gespannt.

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