Montag, 13. Oktober 2008

Das etwas andere Frühstück und ein kleiner Stadtspaziergang


NIEHA (Guten Tag) China World Trade Tower III:
Mit Betonung auf beiden Silben und einem leichten nasalen A am Ende, von wegen ha-o, das O verschlucken die großzügig. Beijing-Slang, vermute ich und meine: je weniger dieser Laute in einem Wort sind, desto besser.
Dass wir auf eine der zahlreichen Business District Großbaustellen schauen, wenn wir den Vorhang unseres Hotelzimmerfensters zurückziehen, habe ich ja schon erwähnt. Hier kann jetzt jeder diesen tollen Anblick mit uns teilen und die ersten paar Stockwerke des größten Turms hier in der Gegend bei Nebel (es wird uns mehrmals versichert, das sei kein Smog) bewundern. *grins*

Arndt muss heute zum ersten mal ins Office. Der neue Nokia Campus liegt ein gutes Stück südlich von hier, in einem von Beijings Donautälern (:-), wenn das nicht spannend ist. Und die Zeitverschiebung macht uns ganz schön zu schaffen. Eigentlich ist es für uns noch mitten in der Nacht, hier ist aber schon seit 2h Geschäftszeit, da der Chinese an und für sich ein Frühaufsteher, Langarbeiter und zeitig ins Bettgeher ist.

Aber erstmal ab zum Frühstück. Meine Verdauung ist auch noch richtig müde. Ich werde heute mal chinesisch frühstücken, vielleicht kurbelt das ja die Darmtätigkeit an. *grins*

Mein Plan ist, nach dem Frühstück zu Fuß den CBD und vor allem die gestern besichtigten Central Park Appartmenthäuser und die Gegend drumherum zu erforschen. "Ist das schön da auf dem Monde, Wackeldackel, oder ist das nicht schön da auf dem Monde? Und vielleicht komm ich am Nachmittag dazu das auch bei den anderen besichtigten Wohnungen zu machen. Irgendwie müssen wir anfangen, die möglichen Wohngegenden näher zu erkunden. Die Woche ist echt verdammt kurz.

Nudelsuppe, Tee-Ei und gedämpfte Hefeklößchen:
Beijing ist ja bekanntlich eher im Norden von China und wurde zu Dynastie-Zeiten (Ming, Ding, Yang, wie auch immer..) die nördliche Hauptstadt genannt. Damals gab es auch noch für jede Himmelsrichtung eine Haupstadt. Im Norden von China ist Reis nicht so wirklich angesagt. Und hier in der nördlichen Hauptstadt sind die Nudelmacher maßgebend beim Aussehen der typischen, regionalen Gerichte. Und das wirkt sich dann natürlich auch auf's Frühstück aus.

In unserer Frühstücks-Suppe schwimmen heute dicke Gelbe Nudeln, Fischklößchen in zwei verschiedenen Ausführungen, Surimi (das ist gepresstes und einseitig rot eingefärbtes Krabbenfleisch, Meister des Fassadenbaus allesamt hier.), Kohl und in Streifen geschnittene Pilze. Dazupacken kann man sich Sojasoße, Chilisoße, Frühlingszwiebelchen, Koriandergrün, Chilischotenscheibchen. Ich hau mal von allem ein bisschen rein. Ja, seeeehr seeeehr lecker, daran könnte ich mich gewöhnen. Ich, die sonst vor 10 Uhr morgens nichts isst. Muss daran liegen, dass mein Jetlag-gebeutelter Körper diese Mahlzeit heute wohl eher als Mitternachtsimbiss sieht.

Tee-Eier, sehen aus als ob sie ungenießbar sind. Sie sind aber nur in einer Sojasoßen-Wasser-Teemischung gekocht. Die Schale wird angeknackst, so dass die ganze hübsche dunkelbraune Soße auch das Eiweiß ca. 3 mm dick eifärben kann. Schmeckt würzig, aber sonst wie ein normales gekochtes Ei. Alles nur für's Auge.
Der Hefekloß ist mal gefüllt, und mal nicht. Heute sind sie nicht gefüllt, eher neutral, ich ess sie zum Ei, könnte sie aber genausogut mit Marmelade bestreichen. Nach diesem Frühstück, viel Saft und Tee sind wir pappsatt, und Arndt muss auch so langsam mal los, sagt tschüß und nimmt ein Taxi ins Büro.
Ich will ja auch gleich mal los, kaum zurück auf dem Zimmer überfällt mich jedoch ein Schlafanfall und ich muss erstmal ins Bett. Vorher schaff ich noch, das "Bitte nicht stören"-Schildchen aussen an die Tür zu hängen, da ich vorher auf dem Flur schon die Wägen der Zimmermädchen entdeckt habe, und echt nicht gestört werden will.

Nach dem 2h-Schläfchen bin ich zwar auch nicht fitter, aber ich kann ja nicht ewig in der Deutschland-Zeit hängen, während hier schon der Nachmittag anbricht. Also, raus aus den Federn, nochmal frisch machen und siehe da. Suppe am morgen erleichtert ungemein. Es kann befreit und leichtfüßig in die Stadt gegangen werden. *freu*

Zum Central Park Wohnkomplex ist es echt nicht weit, ich gehe ziemlich langsam, starre die Menschen und Gebäude an und brauch grad mal 15 Minuten. Das Café mit dem Illy-Schild im Fenster entdecke ich auch gleich, ach ja, so ein richtiger Milchkaffee zum Aufwachen wär echt nicht schlecht. Wie nicht anders erwartet, spricht hier alles Englisch, ich fühl mich gar nicht wie in China, bekomme einen phantastisch duftenden Milchkaffe im Mitnehmbecher, reiche 25 RMB rüber und setze mich schliesslich raus auf eine Bank in einer der Grünanlagen.

Als es anfängt zu tröpfeln starte ich in Richtung "The Place". DER Platz, echt wahr. Das Neueste in Beijings zahlreichen Einkaufstempeln mit der größten LCD-Leinwand der Welt, die den gesamten Platz der Länge nach überspannt. Absolut angesagt. Rolex, Nike, noch ein Starbucks Coffee Shop, westliche Restaurants, Smoothie-Bar, you name it, they have it. Höher, schneller, weiter, alles für's Auge. Bei Tag schon ein krasser Anblick, bei Nacht kaum zu beschreiben.
Ich gehe die angrenzende breite Dongdaqiao Straße in Richtung Norden weiter und habe bald mein erstes 8-spurige-Strasse-überqueren-als-Fußgänger-Erlebnis. Tschagga! Gut, dass ich an den kleineren Straßen (4-spurig) schon geübt habe, und Arndt mir immer wieder eingebleut hat, ich soll die Fußgänger-Ampeln ignorieren, mit den Einheimischen mitlaufen, auf die Rechtsabbieger, Fahrradfahrer und Elektrobike-Fahrer IMMER gesondert achten.

Es klappt hervorragend. Keiner hupt mich an, obwohl ich mittlerweile weiss, dass vor allem für die Chinesen die Hupe erfunden wurde (Sorry, Italien ist ja so leise dagegen!). Hupen muss man ca. alle 2 bis 3 Minuten als Taxifahrer. Es ist aber auch eher eine Art auf sich aufmerksam zu machen, als seinen Unmut über irgendwas kundzutun. "Aaaachtung, hier kommt was!"
Bspw. hupen Moped- und Autofahrer, wenn sie nahe an Fußgängern vorbeifahren, oder um diese am Zebrastreifen, über den das Fußvolk gerade in Massen geht, auseinander zu treiben. Und ich dachte, der Zebrastreifen ist der Strassenbereich in dem die Fußgänger Vorfahrt haben. Ha, selten so gelacht. Das gilt hier nicht. Macht aber nichts, der Beijinger braucht weder Zebrastreifen noch Fußgängerampel um eine Strasse zu überqueren.
Das geht dann ungefähr so:
Schau genau auf den Verkehr, halte nach einer Lücke Ausschau, dann geh zügig los, bleib zwischen den Fahrbahnen stehen (huuuuup), bei einer weiteren Lücke, geh zügig weiter bis zur Mitte (huuuup), schau in die andere Richtung, bei einer Lücke, geh weiter (huup) usw., bis du auf der gegenüberliegenden Seite angekommen bist. Großartiges Erlebnis! Bungee-jumping brauch ich echt nicht. Ich lauf einfach durch Beijing. Die Steigerung ist vermutlich Radfahren. Aber mir reicht heute erstmal der kleine Spaziergang.

Als ich links, nach Westen in die Chaoyangmennei Dajie einbiege, entdecke ich neben dem Mac einen Supermarkt, geh rein, endlich mal nur chinesisch beschriebene Verpackungen. Das Keksregal sieht interessant aus. Ich kaufe aber zwei Tsingtao (Bier) und ein großes Wasser, betrete die angrenzende Bäckerei. Mal sehen was es hier so gibt.

Bunte Torten, ob die auch so süß schmecken wie sie aussehen? Keine Ahnung, ich kauf zwei salzige Teilchen und zwei süße Stückchen noch dazu (denke ich, *lach*). Eins der salzigen esse ich gleich draussen, lecker, den Rest hab ich zusammen mit den Bierflaschen und der Wasserflasche in einer dieser dünnen Plastiktüten, die man bei uns auch kriegt, und in die ich sonst Tomaten im Supermarkt reinlade...

Hier steht noch der Rest eines alten Stadttores zwischen den glänzenden modernen Bauten, gegenüber ist ein Tempel.

So langsam wird es schon dunkel und ich beschliesse umzudrehen um langsam ins Hotel zurück zu gehen. Genug gesehen für heute. Hab zwar mein Plansoll überhaupt nicht erfüllt, aber das war immerhin schonmal was. Das Jetlag und der gestrige Tag machen Spazierengehen ganz schön anstrengend. Und später wollen wir ja noch irgendwo einen Happen essen gehen.

Kurz bevor ich im Hotel ankomme, kracht mir noch mitten auf der einen großen Strasse der Henkel und der Einkauf reisst mir aus der Hand und fällt auf den Beton. Eine Bierflasche zerbricht und neben mir schäumt es aus und in der Tüte. Na bravo, nur noch ein Bier übrig. Das zweite salzige Ding kriegt ein komplettes Bierbad, die zwei vermeintlich Süßen Teile überleben, da sie besser in Plastik eingewickelt sind als die Schinkenstange. Egal, ich hab genügend Klopapier dabei um die übriggebliebenen Teile sauberzumachen, jetzt passt auch alles in meine Umhängetasche, die reisst wenigstens nicht. Schade nur, dass Arndt die Schinkenstange nicht kosten kann.

Er kommt dann auch gleich nach mir im Hotel an, und versucht eins der süßen Teile. Ha, es stellt sich heraus, das ist ein Ei (keine Aprokose!) in der Mitte des Sandwichs und das obendrauf sind keine Streusel sondern Mais mit irgendwas überzogen. Meister des Fassadenbaus, auch die Bäcker hier. Wir lachen herzlich, Arndt will auch viel lieber einen herzhaften Snack, bevor wir unser Nickerchen machen. Dann passt ja alles, zusammen mit dem Apfel und der Nashi ist das auch fast schon ein komplettes Essen.

Trotzdem zieht es uns noch in die Stadt. Die Show am Platz muss man auch mal ansehen. Die spinnen, die Chinesen. Wir schauen uns die Show bis zum Ende an, sind nur noch 10 Minuten. Nackenstützen wäre von Vorteil.

Wenn grad keine Wale über einem vorbeiziehen, dann fliegen, wie links, Glückslaternen in den Himmel..

...oder man kann eine Art Meteoritenzusammenprall beobachten. Das Ganze wird von lauter und pompöser Musik begleitet. Wir staunen.

Schliesslich gehen wir weiter in Richtung 1. Botschaftsviertel, in die nördliche Ritan Road, durch das Russenviertel. Nein, uns ist nicht nach Russisch, wir sind ja schliesslich in China. Abe gleich danach kommt auch schon ein chinesischer Imbiss, der Spiesschen und Nudeln serviert, wie wir auf den Tischen der innensitzenden Chinesen beim an die Theke gehen beobachten können.

Ich bin dran mit bestellen. Gar nicht so einfach, wenn die Karte hinter der Theke an der Wand wiedermal nur diese hübschen Zeichen listet, keine Bilder, nur chinesische Schriftzeichen (Pinying, wo bist du??). Die dabeistehenden Preise sind jedoch allesamt unter 20 RMB, so dass es echt egal wäre, wenn das Bestellte ungeniessbar ist.

Also, munter das Handzeichen für "6" gemacht, und auf Deutsch bestellt: "Ich hätte gern 6 dieser Spiesse, die der Mann da drüben am Tisch hat" (is ja wurscht, die Kleine hinter der Theke kann weder Englisch noch Deutsch und ich kein Chinesisch, da kann ich auch einfach Deutsch sprechen.). Mit dem anderen Arm zeige ich in Richtung diesem Mann und seinen Kebab-Spießen. Sie fragt mich was auf Chinesisch. Ich zeige "2" und sage "Sechs Stück reichen, und noch zwei Bier dazu bitte." Mein freier Arm zeigt nun hinter die Theke zum Glastürenkühlschrank in das Fach, wo die grünen Flaschen liegen. Klappt. Zumindest schreibt sie was auf legt den Zettel in die Küche, holt zwei Bier raus, stellt sie uns hin und tippt den Preis in die Kasse. 12 RMB. Bitte? Echt, oder was? Hab ich Luft zu den Bieren bestellt?? Ich zahle, sage "Xiéxie" und wir setzen uns und trinken erstmal was.
Kurze Zeit später werden die Spießchen an denTisch gebracht, eigentlich holt man sich die an der Theke ab, aber wir werden bedient. OK, wir haben Spießchen und Bier, ist ja schonmal ein Anfang. Aber ich will auch noch was von dem eingelegten Gemüse und so ein Nudelgericht könnten wir uns auch noch teilen.

Also, meine nächste Bestellrunde beginnt, zurück an die Theke. Weil ich grad nen Lauf hab, schaff ich es tatsächlich (ich wundere mich heute noch) ein gemischtes Gemüsetellerchen und eine Rindfleischsuppe zu bestellen, die wir auch wieder an den Tisch gebracht kriegen. Dies kostet uns nochmal 21 RMB und ist äußerst lecker. Nachdem wir, untypisch für hier, alles aufgegessen haben, die zwei Bierchen geleert sind, kommt auch rompt diese unglaubliche Müdigkeit wieder.

Wir gehen langsam zum Hotel zurück. Das war ein sehr interessanter Tag. Da muss man erstmal schlafen, denn morgen haben wir ja diesen ominösen "Medical Check" (die ärztliche Untersuchung, die man machen muss, wenn man ein Nicht-Touristenvisa haben will). Wir sind gespannt.

Sonntag, 12. Oktober 2008

House Hunting ist auch ein Marathon

Auf Hausjagd. Dabei wollen wir doch gar kein Haus, sondern eine Wohnung. Sollten wir echt hierherkommen. Aber so nennen die hier - und vermutlich sonst auch überall wo man das auf Englisch sagt - das Wohnungen-Besichtigen eben.
Sabrina Gao, eine winzige und ziemlich dünne Chinesin, die in Kapstadt studiert hat, und ein sehr gutes und deutliches Englisch spricht, erwartet uns nach dem Frühstück gegen halb zehn in der Hotel-Lobby. Sie ist vom Maklerbüro Jones Lang Lasalle, Arndt muß sich fast vornüberbeugen um mit ihr zu sprechen, ich würde ja sagen, die haben hier alle Annagröße (*lach* hi Süße, nix für ungut, mit Deiner Größe siehst Du hier bei jedem Konzert wunderbar zur Bühne. Und ich erst. Das darf ich mir gar nicht vorstellen. *grins* Klar gibt es auch größere Menschen, sind ja nicht ins Zwergenland gereist. Nur fast.)

Davor:
Mein erstes Frühstück in China. Ich bin völlig von der Auswahl überrascht, Arndt nimmt das Ganze deutlich lässiger, der Weltenbummler *stolz*. Immer wieder muss ich ihn fragen, ob er auch so eine Matschbirne hat und sich fühlt, als wäre sein Kopf in einen großen Wattebausch gepackt. Ja, sagt er. Ich wundere mich, dass man ihm das gar nicht ansieht und noch weniger anmerkt. Meine Knöchel sind immer noch irgendwo, aber nicht zu sehen. Meine Verdauung hat sich sowas von verlangsamt, was soll ich sagen, ich will endlich mal den Schinkensemmel und alles was ihm folgte, loswerden. Der macht aber keine Anstalten in China einzureisen. Na gut, denk ich mir: Dann ess ich halt einfach noch was obendrauf!

Das Frühstücksbüffet:
Ich kann noch gar nicht erfassen, was es hier alles gibt, will irgendwie auch gar nicht viel denken, und schaffe es schließlich die englische Frühstücks-Kombi aufs Teller zu laden. Aber ohne die Würstchen. Die sehen hier auch so mies aus wie sie drüben schmecken. Rührei, Speck, Baked Beans, gebratene Orangenscheibe, Brötchen. Yummie. Tee dazu und auch Ananas-Orangen-Apfelsaft, in der Reihenfolge. Dann noch ein süßes Teilchen, etwas frisches Obst, und schwupps ist's schon kurz nach neun, keine Zeit, nix wie rauf und ins Bad und fertigmachen, wir werden ja gleich abgeholt! Was die vielen Köche hinter den Pfannen, Töpfen und Woks so zaubern, das duftet wunderbar, muss aber bis morgen warten.

Kurz nach halb zehn:
Ni hao, Sabrina. Nice to meet you too. Ja, wir haben den Umschlag mit den Exposés der diversen Wohnungen gestern aufs Zimmer geliefert bekommen. Ja, wir haben auch schon reinschauen können und sind jetzt so richtig neugierig auf das, was Du uns heute zeigen willst.
Es ist ein wunderschöner, blauhimmeliger und warmer Herbsttag. Die Jacken kann man getrost im Schrank lassen, ein schöneres Wetter hätten wir kaum kriegen können. Und wir werden fast den ganzen Tag entweder im Auto sitzen oder in Wohnungen rumstöbern. Nunja, sowas kriegt man ja auch nicht alle Tage, und wir genau einmal - und zwar heute - gemeinsam. Da mache ich das doch viel lieber bei Sonnenschein als im Regen.
Dann mal raus aus dem Hotel. Dem Drehtür-Boy sagt diesmal Sabrina, dass wir kein Taxi brauchen (die chinesische Variante einer automatischen Drehtür: Stell' einen Menschen davor, der die Tür, bevor der Gast reinzuspringen droht, freundlich lächelnd anschubst. Der kann dann auch noch die Türen der Autos und Taxis öffnen, und die Jungs zum Gepäcktransport herrufen. Nobel geht die Welt zugrunde.) Arndt und ich bleiben ernst.
Ein paar Meter neben dem Eingang erwartet uns ein Chevrolet-Van, natürlich mit Fahrer. Sabrina nimmt vorne Platz, wir setzen uns auf helle Ledersitze im Fonds. Es hätten locker drei Sitze Platz, da es aber nur zwei sind, sind wir es, die den Platz haben. Sehr bequeme Art, die Stadt zu erforschen. Die Klimaanlage sorgt für eine schweissfreie Fahrt.

1. Station: Central Park, CBD:
Na Bravo, das ist ja wie in Amiland. Der erste Stop ist ca. 5 Min. vom Hotel entfernt, quasi um die Ecke. Aber klar, wir fahren. Compound nennt man die Ansammlung von 3-7 Hochhäusern die schön gruppiert hingebaut wurden. 5 Stück im Kreis sind es in diesem Fall, deswegen vermutich auch Central, weil viel Park ist das hier nicht, aber grün und Wasserspiele und Bäume sind da, das ist doch schonmal was. Hier ist die Anzahl an Expats hoch. Die Häuser sind auch recht hoch, verglichen mit Ulm, nicht mit Frankfurt. *grins* Und für unsere Vorstellung sind die Wohnungen, die wir hier ansehen, es sind insgesamt drei, richtig GROSS.
Der Ausblick aus dem 32. Stock rockt! Genau zwischen den U-Bahn Linien 1, 2 und 10 ist diese Location hier. Hab ich gestern noch behauptet es gibt drei? Gelogen, es gibt vier. Als Arndt vor zwei Jahren hier war, gab's nur zwei. Wer viele fleissige Arbeiterameisen hat, kann eben schnell bauen.

3 Bedrooms, heisst drei Schlafzimmer, meistens auch ein Bad pro Schlafzimmer, Küche und ein Wohnzimmer meist mit Essbereich. Balkon ist dann in der Regel keiner dabei, es gibt aber auch welche, die haben einen. Sabrina erklärt: "Der Chinese mag ja lieber einen geschlossenen Balkon, also so eine Art Wintergarten. Der Westler dagegen bevorzugt einen Offenen. Ziemich komisch, die Westler, denn bei dem Kontinentalklima hier kann man den Offenen nicht das ganze Jahr benutzen." Da hat sie Recht, aber in D ist die Balkonnutzungszeit noch kürzer und da hätten wir ja auch gern einen.
Der Master-Bedroom hat dann auch fast immer eine begehbaren Kleiderschrank. Ich kanns echt kaum glauben. WO ist der Haken? ("There is no such thing as free lunch." *lach*)
Nch den drei Wohnungen schauen wir uns noch den Club Alex-ahnder (Sabrina macht immer eine lange Pause zwischendrin) an. Der Club ist quasi das Olympia Fitness des CBD, und gehört zum Central Park Wohnkomplex. Muckibude, Schwimmbad, Sauna, Squash, Tennisplatz auf dem Dach, geiler Anblick von der Wohnung ganz oben. Auch der Rest der Aussicht ist nicht schlecht, dieses Bild ist aus dem 10 Stock und der hohe Turm da hinten, der steht direkt vor unserem Hotelzimmerfenster.

Hallo Karl, im dazugehörenden Shoppingbereich ist ein Café, das hat Illy!! Erkennt jemand das Schild auf dem Bild? Arndt war nach dem Aussteigen der erste und hat mich darauf aufmerksam gemacht. Wie gut zu wissen, dass ich hier auch Milchkaffe kriege, der soviel kostet wie hier ein Abendessen für zwei Personen mit Getränken in der Garküche, aber ungefähr soviel wie in Deutschland.

2. Station: Lanson Place, CBD:
Ein Gebäude aus dem Central Park Komplex gehört einer Art Hotel, die sogenannte "serviced apartments" anbieten. Lanson Place ist der Name. Das sind dann Wohnungen, da sind die Vorhänge, Sofakissen, das Geschirr, Toilettenpapier, Haushaltshilfe und der hauseigene Fitnessclub, das Frühstück und noch ziemlich viel mehr, in der Miete mit dabei. Aha. Wir staunen nicht schlecht.
Ein Hotel, das Wohnungen vermietet. In der Lobby gibt's dann Wasser, Saft, Tee, Kaffee den ganzen Tag für umme, und seine Gäste kann man auch noch mitbringen. Ausserdem sind zwei Internetarbeitsplätze mit Drucker und Fax zur freien Verfügung. Ich frage mich nur, welche Gäste soll ich hier empfangen? Also, jeder der das hier liest, MUSS uns besuchen kommen!! Ich will hier Gäste haben! Serviced Apartment hin oder her, der Flug koscht a weng was, aber zum Leben braucht man hier echt nicht viel. Vorausgesetzt, man is(s)t verpflegungstechnisch ein bisschen abenteuerlustig und experimentierfreudig.

3. Station: Fraser Suites, CBD:
Die Fraser Suites sind allesamt auch "serviced apartments". Hier sind die Wohnungen kleiner (ca. 100 qm), die Küche ist im Wohn-Esszimmer integriert aber dafür gibt's im Frühstücksraum 'nen Tischkicker und auch einen Billiardtisch, und (das finde ich wirklich extrem wichtig!) der obligatorische, zwischen den Aufzugtüren stehende Mülleimer hat nicht nur ein Steine-Potpourri in der zum Mülleimer gehörenden Schale, nein, hier ist auch noch Wasser eingefüllt UND zwei winzige Goldfische teilen sich diesen ihren Wohnraum mit einem braungrauen Fischlein, das ich nicht identifiezieren kann... Heute ist der Tag zum Staunen, ich fang schon an alles als normal zu betrachten. Ich denke schon voreilig, viel krasser kann's ja nicht mehr kommen. Aber ich sollte mich täuschen.

4. Station: Park Apartments, Chaoyang Park:
Nach einer 15 minütigen Fahrt vom Central Business District auf der 3. Ringstrasse (6-spurige Autobahn ist das) in Richtung Norden, biegen wir vor der Strasse, an die der Chaoyang Park grenzt, rechts ab. Nächste Apartment-Häuser-Ansammlung.

Hier schauen wir zwei Wohnungen an, die Kleinere hat 160 qm, die Große misst sage und schreibe 185 qm. OK, das zieht jetzt alles an mir vorbei. Mein Wattebausch wird dicker. Hat jemand meine Knöchel gesehen? Fenster auf, hier riechts nach monatelang ausgetrocknetem Abfluss oder doch nach toter Ratte? Sabrina, ganz der Makler: "Steht schon ein Weilchen leer, Abflüsse ausgetrocknet, da kommt dann eben der Kanalisationsgeruch hoch." Jo, das kann man so sagen. Der kommt richtig hoch, wir sind im keine Ahnung wievielten Stock, schöne Aussicht nach Süden in Richtung CCTV-Bogen, der ja fast direkt neben unserem Hotel steht.
Haben wir in den Central Park Wohnungen noch über die im Badezimmerspiegel integrierten Fernseher gelacht, nehmen wir die riesige Küche und das geräumige Wohn-Esszimmer gelassen zur Kenntnis.
Da beide Wohnungen hier noch vom "Developer" besessen werden, kann man die Einrichtung nach eigenem Geschmack erweitern lassen. OK. Nehmen wir zur Kenntnis. Der im Erdgeschoss befindliche Fitnessclub und das Spa ist in der Miete mitinbegriffen. OK, schön. Die nächste U-Bahn Station (Linie 10) ist auch nicht weit entfernt. Feine Sache, das. Zur Sanlitun Bar Street im 2. Botschaftsviertel isses auch nicht weit. Jut, fein, freut uns. Ich brauch ne Pause. Raus hier, rein in den Van, weiter geht's.

Mittagspause:
Als ich schon denke, aha, jetzt kommen die schäbigeren Apartments, geht's nur zum Mittagessen. Subways. Als ich dieses Foto machte, war mir das noch nicht klar, deswegen: Wo ist die Maus versteckt?
Oh, Sabrina. Ich bin enttäuscht. Da sind wir in der Stadt der tausend Gerüche und Millionen Garküchen, und du führst uns in ein Subway FastFood Imbissdings?!? An sowas laufen wir zuhause immer vorbei, wenn's am Samstag Mittag zur Wurst beim Wachter geht! Aber egal, ich hab sowieso nicht wirklich Hunger, ich möchte wirklich erstmal was loswerden, aber auch die gebackenen englischen Bohnen von heute früh helfen mir in dieser Sache nicht weiter. Also trinke ich mein Wasser, und nach zwei Happen von meinem Sandwich opfert sich Arndt dieses vollends zu verdrücken. Dankeschön, ich krieg nämlich jetzt grad nix Festes mehr rein. Und dann geht's auch schon weiter zum Nachmittagsprogramm. Zur Abwechslung mal Wohnungen anschauen.

5. Station: Palm Springs International Apartments, gegenüber dem Chaoyang Park:
Die spinnen, die Chinesen! Jetzt haben die hier im Disney-Land-Stil Fassadenbau betrieben. Da die zwei 20 Meter hohen Palmen links und rechts der Einfahrt definitiv aus Plastik sind, fragen wir uns ob wir nahe genug an den geflügelten Löwen im "Singapur-Style" rankommen, um auch ihn auf Echtheit abzuklopfen. Leider nicht, Sabrina ist schnell mit dem Besucherausweis zurück, und um den Löwen ist zuviel Wasser. Also, dann mal los zur Wohnung.
"No photos", das ist keine Bitte und auch nicht verhandelbar. Der Besitzer will weder seine Aussicht, seine traditionellen chinesischen Möbel noch seinen 1,5 Meter Fernseher in meinem Blog sehen. Na gut, den Anblick werden wir so oder so im Leben nicht vergessen. Wir fragen Sabrina nach dem Preis, denn das alles hier sieht ein bisserl arg abgehoben aus, aber Sabrina versichert uns schon wieder, dass alle Wohnungen, die sie uns zeigt, innerhalb unseres Budgets liegen. Well, fine. Scheint, als bräuchten wir uns wenig Sorgen machen, aber es ist ja auch erstmal eine Orientierungstour heute. Die Aussicht von hier oben über den Park ist der Oberhammer. Sowas nennt man unverbaubar. Der Chaoyang Park liegt wie ein riesiges grünes Handtuch vor uns.
Der Master-Bedroom und das dazugehörende Bad sind fast zu groß für meinen Geschmack, die Glotze im Schlafzimmer ist dafür nur halb so groß wie die Leinwand im Wohnzimmer. Ich weiss nicht mehr, ob das diese Wohnung war, aber wir haben mal nach dem Kaufpreis gefragt... 40.000 RMB pro qm. Jupp, aber bei den Mietraten hat der Investor das nach zwei Jahren auch wieder drin. Schnelles Geld, aber so 'ne Wohnung muss man auch erstmal vermieten. Wo ist jetzt der Haken?
Aha, hier ist der Mitgliedsbeitrag für den Club nicht in der Miete enthalten. Was kostet der denn? 10.000 RMB pro Person und Jahr. Wow, das ist saftig für hiesige Verhältnisse, aber was kostet nochmal das Olympia mit allem drum und dran pro Jahr?

Den Club wollen wir dann auch sehen. Und Sabrina organisiert das pronto. Disney war wohl doch Chinese. Oder die Briten haben einfach soviel Dekadenz eingeführt, wie sie nur konnten. Gold, Glas, haufenweise künstliche Palmen und andere Plastikpflanzen, lebende Beos in goldenen Käfigen links und rechts der Glastüren zum Schwimmbad ( der Pool hat an beiden kurzen Enden Stein(imitat?)büsten und -säulen), Chinesen (? Koreaner? Japaner? Ich kanns nicht sagen.) sitzen in dunklen Anzügen im Lounge-Bereich und lassen sich zu Klaviergedudel und Beoschreien die Zeitung und nen Drink rein.
Zum Club gehört auch ein Spa. Gedämpftes Licht, Kesselgeklapper, dunkel eingerichtete Räume mit großen Holzliegen (Daybeds) darauf Brokat-Kissen mit goldenen Troddeln an jeder Ecke. Sag mal, bin ich denn noch nirgends gewesen? Hier wär ich schon gern mal für einen Tag. Aber heute ist für sowas keine Zeit. Und ein wenig suspekt ist mir das ganze schon, irgendwie erwarte ich, dass gleich die Mafia reingestürmt kommt und die Jungs in durch die Zeitung auf ihren goldenen Sesseln erschiesst.
Das Schnuckelchen im kleinen Schwarzen, das uns rumführt, kann in den Pumps kaum die Treppen runterlaufen, ist halb so lang wie Arndt und die Member Relations Managerin, wie wir dann auf ihrer (natürlich mit beiden Händen überreichten) Visitenkarte lesen können. Also, Lucy Lu, Danke für die Führung, wir überlegen's uns dann mal. Xiéxie, bis die Tage dann.
Sag "Ciao" zum Beo. Wir müssen weiter zur nächsten Wohnung.

6. Station: Park Avenue, Chaoyang Park:
Jezt dürfen wir auch wieder Fotos machen. Und eine leere Wohnung und einen Show-Room besichtigen. Show-Rooms gibt es fast in jedem Compound, und in ihnen sieht es fast immer aus, wie in der Möbelhaus-Austellung. ich habe schon viele IKEA Teile gesehen heute hier in Beijing. Gibt einem irgendwie ein heimeliges Gefühl, ich weiss allerdings nicht, ob ich das gut finden soll. In dieser Wohnung ist aber nur der Wohn-Eßbereich vollständig hergerichtet. Macht ja nix, wir haben eh schon sooooviel gesehen heute, uns reicht es so langsam wirklich. Ich hab ne Matschbirne schon seit heute früh, der Jetlag macht sich voll bemerkbar, ab jetzt wird es anstrengend.

Aber die hier ist auch schön geschnitten, leider ist der Wohnkomplex ziemlich nah sowohl an der Straße, die die dritte und vierte Ringstrasse verbindet als auch unmittelbar an der vierten Ringstrasse. Soll heissen 24h Verkehr. Während bspw. in der Innenstadt, bzw. im CBD ab 10 Uhr kaum noch ein Auto fährt. Vergleichbar mit der Olgastrasse an einem Sonntag Abend. *zwinker*


Ich brauch DRINGEND 'nen Kaffeeeeee, sonst schaff ich die letzten vier Wohnungen nicht mehr. Zwei leere und zwei Show-Rooms stehen zwar nur noch bevor. Im Lufthansa Bezirk. Das ist da, wo die ganzen Botschaftsleute wohnen und in direkter Nachbarschaft zum 2. und 3. Botschaftsviertel. Ja genau, hier in dieser chinesischen Stadt, da heisst ein Viertel "Lufthansa Area". Warum das denn? fragen wir Sabrina.

Weil dieses Einkaufzentrum auf dem Bild links, eines der ältesten Shopping Malls in ganz Beijing ist, deswegen. Klare Sache, keine Scheiss, Mann. Ich muss grinsen. Der Kaffe haut auch grad rein. Es geht ein bisschen bergauf. Bereit für den letzten Durchgang. Wr fahren weiter.

Dieses rote Gebäude, das ist die deutsche Botschaft.
Gleich links daneben ist die deutsche Schule, und die ist gelb. Ein schwarzes Haus haben wir in der Nähe auch gesehen, aber egal..

7. Station: Lingmaqiao Diplomatic Compound, zwischen 2. und 3. Botschaftsviertel:
Anmelden an der pforte, das Auto darf hier nicht reinfahren. Überall hohe Zäune und Kameras (das gabs in der Stadt und bei den anderen Wohnkomplexen auch, ist aber nicht so aufgefallen wie hier)
Aha, die Jungs und Mädels aus Zypern wohnen hier auch. Zitat Sabrina: "Could be, that if you choose to live here, your direct neighbour is an ambassador." Ich denke, wer will schon unbedingt neben 'nem Botschafter wohnen? All diese "Men in Black" und Sicherheitsfuzzies um einen rum, nee, nee, neeeee! Dazu noch in unmittelbarer Nähe zur Botschaft der Vereinigten Staaten, die Arndt treffend als Bunker bezeichnet (ein grauer, Hochsicherheit vermittelnder, Bau).
Sabrina lacht und sagt: "Das Gebäude ist brandneu, und wir Chinesen lästern, das hätten die Amis nur deswegen neu gebaut, weil wir unsere Botschaft in den USA auch kürzlich neu gebaut haben." Ich denk mir, das ist ja wie in der Sparkassenwerbung: "Meine Botschaft, mein 5 Meter hoher schwarzer Stahlzaun, meine Kameras, mein Wärterhäuschen". Keine Fotos auf dem Gelände.

Ansonsten schöne Wohnungen, schöner Schnitt. Auch hier ausreichend Badezimmer für 5 Leute da. Das Bild zeigt das kleinere Bad. Wünschte, damals in der WG hätten wir ein so Hübsches gehabt.

Auch die beiden Einrichtungsvarianten sind total OK. Hab ich schon erwähnt, dass standardmäßig immer mindestens zwei Flatscreen-Fernseher, und zwar nicht die Kleinsten, dabei sind? Stereoanlage dafür aber nicht, aber in irgendeiner Broschüre oder so stand was darüber, und wie war das mit den Clubs und den Karten mit dem im Voraus bezahlten Strom- und Gas- und Heizungsguthaben drauf? Alles vergessen, wir müssen mal anfangen unseren Fragekatalog zu erstellen. Aber heute nicht mehr. Wir haben sowas von fertig.
Noch schnell aus dem Fenster sehen, man bickt in Richtung Süden zum Central Business District. Tour-Ende:
Gegen fünf ist der Wohnungsbesichtigungsmarathon dann endlich vorbei. Gottseidank, ich kann nämich keine Wohnung mehr sehen. Habe überhaupt keinen Überblick mehr. Schädel brummt, Beine sind schwer. Wo sind diese Knöchel hin? Bin echt froh, dass sowohl Arndt als auch ich versucht haben, soviele Eindrücke und Ansichten und Aussichten wie möglich auf Bildern festzuhalten. Vielleicht hilft das ja der Erinnerung auf die Spur. Morgen. Übermorgen. Irgendwann dann.

Danke Sabrina, das war richtig anstrengend aber wir haben jetzt einen ersten Überblick, was hier so geht und möglich wäre. Wir werden wieder am Hotel abgesetzt. Vielen Dank, das war mal was!
Wir sind soooo platt und müssen erstmal ein kurzes Nickerchen machen. Arndt nimmt den Lonely Planet (Reiseführer), den er vor zwei Jahren hier schon dabei hatte, zur Hand und findet die Mitgliedskarte für den Massagesalon nahe dem 2. Botschaftsviertel. Da meine Knöchel und meine Verdauung immer noch nicht vorhanden sind, beschliessen wir mit einer Fussmassage und einem Drink danach, diesen anstrengenden Tag zu beenden.

Schläfchen, Duschen und gegen halb neun aus dem Haus, rein ins Taxi. Diesmal teuer (30 RMB), der hat sein Meter nämlich nicht angestellt und wir haben auch nicht drauf bestanden, worauf er 30 wollte (dabei musste ihm Arndt noch die letzten zwei Seitenstraßen helfen,den richtigen Weg zu finden!), wir aber zunächst 13 verstanden haben, dann auch nicht mehr mehr bezahlen wollten, er schliesslich sehr gedrängt hat, dass er echt 30 will, wir zahlen, denken aber, das kann man noch ein bisschen ausdehnen, ich dann eine Quittung wollte, er behauptete es gibt keine, ich grinse "Quittung?!"

Taxifahrer grinst: "Nix Quittung!" ich wieder grinsend: "Quittung?!", er nicht wirklich mehr grinsend "Nix Quittung!", so geht das ca. 10 Mal hin und her, bis ich genug Spaß hatte, und er wirklich nicht mehr grinst, und überhaupt heisst das eigentliche Abendprogramm ja Fußmassage und nicht "Dir frag ich das Grinsen aus dem Gesicht".

12102008213.jpg - Share on Ovi Foot massage: Rosentee und Kräutertee und Sonenblumenkerne gibt's zur Fußmassage dazu. Ist das Glas dreiviertel leer, kann man nach mehr heissem Wasser klingeln. Weiss man das nicht, oder ist man zu relaxt dazu, macht es der Masseur, oder in unserem Fall Arndts Masseuse für uns. Männer werden von Frauen massiert und Frauen werden von Männern massiert. Unsere sahen aus wie 16, Kindernachtarbeit ist hier ja nicht verboten.
Es war superspitzenklasse! Obwohl es ein komisches Gefühl ist wenn einem (hey, ich werd bald 39, ich mach das schon sehr lange selbst) jemand die Füße wäscht. Und obwohl es teilweise schon hart an der Schmerzgrenze ist, was die mit den Füßen und der Wade so anstellen. Und auch obwohl es sich teiweise anhört, als galoppiert ein Pferd aufm Flur vorbei. Ich habe immerhin Chinesisch kauderwelscht, und kann jetzt "Ich komme aus Deutschland" verstehbar aussprechen. Die beiden MAsseure haben viel gelacht, über Arndts große Füße (glauben wir) und über mein Radebrechen (wissen wir).
Zum Ausklang kriegt man noch den Nacken massiert und ein paar frische Socken geschenkt. Die 90 Minuten kosten dann 236 RMB, rechnet das mal selber aus. Das war für zwei Personen, aber Arndt hat ja auch Mitglieder-Ermäßigung bekommen.

Nightcap:
Ich werde noch in die berühmte Sanlitun Bar Street ausgeführt, die ist ganz in der Nähe des Massagesalons. Wir gehen wie auf Wolken, ich hab das GEfühl meine Füße sind 2 Nummern kleiner, ich hab auf einmal soooooviel Platz in den Schuhen, und auch die Unterschenkel fühlen sich klasse an. Danke Arndt, das war eine geniale Idee!

Nach dem vielen Rosentee muss ich jetzt dringend eine Toilette aufsuchen. Da kommt mir der KFC (Kentucky Fright Chicken gibt es auch überall) gerade recht. Nix wie rein, sieht alles sauber aus, ich mach die Tür zur Box auf und sehen mein erstes Chinesisches Plumpsklo. Anders als in der Türkei steht man hier nicht auch noch mit den Füßen in der Wanne, sondern kann sie schön links und rechts daneben stellen. Das Toilettenpapier kommt, wie häufig, in den Eimer in der Ecke.
Weiter führt mich Arndt an Neubauten in absolut cooler Architektur vorbei, Apple-Shop, Adidas, Only, alles was man kennt gibt's auch hier, und zwar nicht nur einmal in der Stadt. Wir gehen weiter und kommen zu kleineren und alten Häusern, zwei soldaten bewachen die Strasse, Autos hupen, Spießchen werden in enem provisorischen (vermutilch ist er das nicht, sieht nur so aus) Grill gebrutzelt, wir betreten ein abrissreifes Haus.

Ich krieg mich fast nicht mehr ein, als wir im Treppenhaus zur Bar dieses Schild sehen. Dafür ist es uns aber noch deutlich zu warm draußen. Zwei Tsingtao und dann nix wie ab nach Hause. In der Bar, ganz oben auf dem Dach des Hauses sind lauter Spanischsprechene Menschen, also wenn wir mal Bedarf haben sollten unser Spanisch nicht einrosten zu lassen, dann weiss Arndt wohin er mich ausführen muss.

Das Jetlag schlägt wieder zu, wir suchen uns ein Taxi (14 RMB, faire Sache) und fahren zurück ins Hotel wo wir endlich ins Bett fallen. Was ein langer Tag. Was ein langer Blogbeitrag. Dabei hab ich nicht mal alles beschrieben.

Samstag, 11. Oktober 2008

Erste Eindrücke

Nochn Zufallstreff:
Die Welt ist ja doch kleiner als man immer denkt. Wen treffen wir als erstes in der Hotel-Lobby, da wir unser Zimmer zunächst im falschen Flügel gesucht haben? Arndts Kollegen Olaf, auch aus Ulm, der grad auf dem Weg in die Stadt ist um sich ein bisschen die Beine zu vertreten.
Traders Hotel:
Yeppa. Zimmer ist Standardgröße mit Standardausstattung, und wir kriegen jeden Tag eine Nashi und einen Apfel auf einem rechteckigen Glasteller. Die gemeinsame Zudecke ist glaub mindestens drei Meter breit und das Bett ist sogar lange genug für Arndt. Die Matratze bereitet mir mal keine Rückenschmerzen. Dass ich den Pseudoleder-Schreibtischstuhl nicht weiter hochfahren kann, schon eher. Superflauschige Bademäntel hängen im Bad, dazu die größte Hand- und Badetücherauswahl (ja, ich bin eben nicht oft in großen Häusern) die ich im Hotel jemals bekommen habe. Außerdem stehen die hier auf Lavendelduft, vom Shampoo über Duschgel bis zur Bodylotion, alles duftet nach Lavendel.
Die Aussicht aus unserem Fenster (Doppelverglasung, da müssen die in England erstmal drauf kommen) ist direkt auf die Baustelle des "China World III", Bauphase drei des China World Trade Centers, der größte Turm ist direkt vor unserem Fenster, und man muss sich verdammt tief bücken, um bis zur Spitze hochsehen zu können.

Direkt daneben steht dieser schöne neue Bogen (CCTV), der mal irgendwie Büros enthalten soll und einen Heli-Landeplatz noch obendrauf hat.

Reihe Hochhäuser hier im CBD (Central Business District).
Rein in die Stadt:
Danke an Olympia, die U-Bahn ist einigermassen ausgebaut, es gibt immerhin drei Linien. Danke an den Chinesen, der mit der Umlautschreibweise "Pinying" sowohl den Chinesen einen Weg aus dem Analphabetentum geebnet, als auch allen Nicht-Chinesen geholfen hat, sich nicht als solcher zu fühlen.

In Pinying-Schreibweise steht hier nämlich alles unterhalb der schönen aber für mich total unbegreifbaren Zeichen nochmal geschrieben. Ist ein bisschen wie in Wales, da sind alle offiziellen Beschilderungen auch noch zusätzlich auf walisisch geschrieben. Und wenn ich's mir so richtig überlege, viel leichter auszusprechen ist Walisisch auch nicht. Wer natürlich weder Chinesisch noch Englisch kann, muss schon ein bisschen aufpassen, dass er nicht verloren geht, könnt ich mir vorstellen.

Tian'anmen und Staatsmann Mao:
Platz des Tors des himmlischen Friedens heisst das. Wo der gute alte Mao (danke, Merian) jedes Jahr in wenigen Tagen neu gemalt und mit Täterätä und Rambazamba wieder und wieder aufgehängt wird. Also sein Bild, über das Tor. So ist das. Und der Platz ist RIESIG! Der rote Platz in Moskau ist auch groß, die zwei schenken sich nix.

Links und rechts und vorne und hinten lauter chinesische Touristen, die Arndt immer wieder anstarren. Heute hat noch keiner gefragt ob er sich fotografieren läßt. Sozialistische Prachtbauten flankieren unseren Weg, als wir über den Platz schreiten, der Sonne entgegen, die ganz schön blendet. Allerdings gibt's auch noch ne Menge traditionelle Gebäude, siehe links.
Wir kommen in die frisch renovierten (abgerissen und neu gebauten) Hutongs (Gassen), zunächst in eine Breitere mit vielen Restaurants, solche zum reingehen und am Tisch sitzen. Vor jedem stehen eine Menge Leute (alle Schlitzaugen) Schlange. Aus einem Fenster werden fertig gebratene Enten in großen durchsichtigen Plastiktüten verkauft. Sehen die lecker aus! Haben langsam etwas Hunger, aber 1h anstehen, das wollen wir nicht. Wir müssen uns bewegen, nach der langen Reise. Meine Beine fühlen sich doppelt so dick an, und meine Knöchel kann ich kaum noch erkennen. Brauche dringend solche Stewardessen-Kniestrümpfe mit Kompressionsfunktion, das ist ja doof, jedesmal nach nem längeren Flug drei Tage oder so ohne Knöchel rumlaufen zu müssen.

Mittags nimmt sich der Chinese auch gerne was am Spieß auf die Hand, der abgeknabberte Spieß wandert dann brav in die Tonne. Nur das leidige Mülltrennen, das wird täglich geübt.

Arndt kennt sich verdammt gut aus und führt uns in immer kleinere Gassen, hier riecht es verdammt lecker aus den Garküchen, die Angestellten schreien uns auf Chinesisch die Karte oder das Mittagsmenü zu, wer kann das schon sagen. Als wir mal stehen bleiben, und beobachten wie die Maultaschen gefüllt werden, sitzen wir auch schon drin, werden an einen großen, mit abgegessenen Platten und Schalen überhäuften Tisch geführt, an dem grad noch 7 Chinesen lustig essen und schlürfen, und alles was sie nicht mehr brauchen entweder auf den Tisch oder den Boden werfen.

Wir zeigen auf die Karte (das Bild links ist nur die Schnapskarte), hoffen das das was wir uns denken kommt, und werden nicht enttäuscht. Eine Platte voller kleiner Maultaschen und eine Schüssel Nudelgericht mit Hack und Kohl.
Neben uns nehmen drei ältere chinesische Damen Platz. Wir trinken ja Mineralwasser, aber irgendwie ist heisses Wasser (einfach nur heisses Wasser, von wege Tee!) hier das Getränk der Wahl. Wenn beim Chinesen das Wasserglas leer ist und er es nachgefüllt haben möchte, dann fragt er (oder in diesem Falle sie) nicht etwa die Bedienung höflich ob sie dies tut. Nein, wenn man über 60 und Chinesin ist, dann brüllt man etwas der vorbeihuschenden Bedienung zu und klopft mit dem leeren Glas energisch auf den Tisch. Ich hab mich vor Lachen fast verschluckt. Für 45 RMB wird man zu zweit schön satt und ist anschliessend auch nicht mehr durstig. Lecker war's! Das müssen wir öfters machen.

Ausklang:
Wir wandern noch ein bisschen im Hutong rum, stöbern in einem Kaligraphieladen durch Bücher und Zeichnungen. Aber jetzt, nach reisen, ankommen, Stadtrundgang und mit gefülltem Magen kommt so langsam die Müdigkeit und sagt derbe ni hao. Das war ein wunderbarer Spaziergang für einen ersten Tag in dieser Stadt. Wir fahren mit der U-Bahn zurück zum Hotel. Lesen noch ein Stündchen und schlafen dann um halb sechs abends ein.

Gen Osten über Land fliegen und ankommen

Nach dem Start:
Ein bisschen mulmiges Gefühl. Fernreise in den Osten. Premiere! Zumindest für mich. Sitzen zunächst nicht zusammen, da irgendwie der tolle LH Service ja auch schon ein online einchecken am Abend vorher möglich macht, und als wir am Check-in stehen zwar keine Schlange ist, aber trotzdem die Plätze schon fest vergeben waren. Alle Plätze, auch meiner. Aber der Geschäftsreisende hat es dann doch nach dem Start eingesehen, dass er es überleben wird auch ohne die direkte Nähe (Reihe hinter mir, ich sitze 55 am Fenster) seiner zwei Kollegen nach Beijing zu fliegen, und Arndt konnte mit ihm (Reihe 37) tauschen. (Ich hätte es näcmlich schlecht überlebt, nicht neben Arndt zu sitzen, wenn wir schonmal ausnahmsweise im selben Flieger reisen, und vor allem bei diesem Anlaß finde ich das einfach zwingend notwendig.)

Tipp von Arndt:
Wenn man statt O-Saft oder Wasser einen Gin Tonic bestellt fliegt sich's einfach netter. (Ich reise ja fast immer im Billigflieger oder Kurzstrecke, da gibt's nie Coktails! LH rockt.) Die Stewardess meint es dann auch noch richtig gut mit uns, und der erste Schluck haut mich fast um. Also immer ein bisschen abschlürfen, dann Tonic nachleeren. Magisches Grinsen setzt zum ersten Mal auf dieser Reise ein.
Menschen auf engem Raum:
Jetzt hab ich auch den strengen Menschengeruch der Delegation aus Afrika neutralisiert. Naja, die sind sicher schon ein bisschen länger unterwegs. Ist jedenfalls ein Spitzenanblick. Ich will auch so ein buntes Kleid und eine Geschenkverpackung um meinen Kopf, da hat man das Kopfkissen quasi gleich dabei, und was man da drin alles verstecken könnte...

Abendessen:
Der Rotwein zum Gulasch (muss schon nochmal sein) macht einen dann einigermassen schlaffähig. Auch der weisse zum Asia-Hühn tut seine Wirkung. Mann, ich hatte schon völlig vergessen wie laut so ne 747 auch innen sein kann. Dafür bietet der Fensterplatz in der vorletzten Sitzreihe verdammt viel Beinfreiheit und links zum Fenster hin reichlich Platz für das Handgepäck, Schuhe, Jeans (hab gleich nach dem Gin Tonic sicherheitshalber in die Jogginghose gewechselt und die dicken Haussocken angelegt). Dann mal gute Nacht.

4 Stunden Schlaf?:
Nach überraschend gutem, leider etwas kurzem Schlaf weckt mich der Geruch nach den heissen Tüchern, die von den Stewardessen vor jedem Essen zur Erfrischung von Gesicht und Händen gereicht werden. Ich will aber die Augen noch nicht aufmachen, und Arndt zuckt auch noch nicht, also geht dieser Kelch diesmal an uns vorüber. Erst als es anfängt nach Kaffee zu riechen zieh ich mir die Schlafmaske vom Gesicht, und siehe da, kann grad noch rechtzeitig nach links anstubsen dann die Frage ob ich Omelett oder Nudeln frühstücken will (mag Nudeln!) beantworten und dabei zügig das Tischchen runterlassen, als das Frühstückstablett serviert wird. Seeeeehr gewöhnungsbedürftige Mahlzeit.

Frühstück mit Sonnenaufgang. Noch knapp zwei Stunden bis zur Landung.

Tolle Aussichten auf die Berge kurz vor der nördlichen Hauptstadt.
Kurz vor Touchdown:
Die Einreisezettel werden ausgefüllt, warum man das noch machen muss, wir haben doch ein Visum im Pass kleben auf dem steht eigentich alles drauf, was ich jetzt auf diesen Zettel schreiben muss... aber dafür kann enie der Madams aus Afrika kein Englisch und schiebt freundlich aber bestimmt Arndt ihren Pass (Aha, was ein Zufall Äquatorial-Guinea, das einzige Land in ganz Afrika, in dem Spanisch gesprochen wird. Soll nochmal einer sagen, das mit dem Spanischlernen war ne blöde Idee, jetzt wo's nach China geht!) und ihren Einreiseschein rüber, damit er ihn für sie ausfüllt. De nada, Bernardita.

Dann hab ich grad noch Zeit mich umzuziehen, schon wird gelandet. Ni hao Beijing. Die Flughafenhalle ist größer als ich jemals eine Flughafenhalle gesehen habe, aber Platz haben die hier ja, das wird mir später noch klarer werden. Dem Merian sei Dank, kann ich dem Zollbeamten auch ein dickes Smiley geben (Taste auf dem Freundlichkeitsbewertungsgerät ganz links aussen, wenn ich mich recht erinnere..), die meisten vor mir ignorieren das Kästchen, ist ja auch sonst soviel zu sehen hier, das kann einen, frisch aus dem niedlichen Europa kommend, schon ablenken. Hallo China, ich bin drin.

Baggage claim:
Zum Gepäckabholen fährt man mit dem Zug (wie in Houston, falls das jemand interessiert) und bis wir dann am Kofferkarussel ankommen, purzelt das Gepäck auch schon runter. Alles da, und alles unbeschädigt, dann kann's ja jetzt zum Geldabheben gehen. Schnell noch durch das "Nothing to declare"-Tor (nein, ich habe keine rohen Agrarprodukte dabei, Leinsamen, find ich, zählen nicht), Geldautomat anhand der Schlange lokalisiert, die aber nicht wirklich lang ist, und Arndt versorgt uns mit Rimimbi (wie man's schreibt, keine Ahnung, aber aussprechen tun die das hier so oder so ähnlich. 1€ := 10 RMB, ungefähr)

Taxi!:
Taxifahrer spricht ein bischen Englisch, versteht aber trotzdem "Traders Hotel" nicht, wie gut dass Arndt in weiser Voraussicht das Logo und den Namen vom Hotel in der Landessprache und in den landestypischen Zeichen auf dem PDF und das PDF auf dem Handy hat. Dokument auf Handy öffnen, Reinzoomen, Schriftzug mit dem Handy dem Taxifahrer zeigen. Er liest die Zeichen laut vor, es hört sich ungefähr an wie "Teades OdEhl", is jut, das meinen wir, vorwärts, nix wie hin. Ich bin hundemüde. Es ist doch schon Samstag, morgens 8 Uhr. Wow, und gerade in China angekommen.

Freitag, 10. Oktober 2008

Zum Nachtflug nach Beijing

So könnte eine lange Reise eigentlich immer anfangen. Ausschlafen, duschen, gemütlich packen, Handgepäck, Koffer. Schleppi, Kamera, Handy. Das Zubehör, das man heutzutage mitnehmen will, braucht fast ne eigene Tasche...
Die letzten Besorgungen noch erledigt, Fraxiparin und die Salbe gegen Ausschlag besorgt, Leinsamen mitnehmen, man kann ja nie wissen...bei mehr als 6h Zeitverschiebung hängt meine Verdauung immer am längsten hinterher, besser vorsorgen..
Sachen gibt's, das glaubt man kaum. Der Taxifahrer, der uns von der Rothstrasse zum Ulmer Bahnhof fuhr, war der Nader. Ein alter Bekannter aus Cat-Café Zeiten. Jetzt wurden wir vom Nader in seinem eigenen Taxi (da er heute Urlaub hat und selber fahren kann, sonst zwei feste Fahrer hat) zum Bahnhof gefahren. Tja. Dann bin ich mal auf den nächsten, den wir treffen gespannt.
Zuhause hab ich noch Zettel verteilt, für die Sitter-Franzi, vielleicht sind die ja von Nutzen, oder Freude oder Beidem.
Tohuwabohu am Bahnsteig und in den Holzklasseabteilen kann man prima aushalten, wenn man weiss, ich fahre heute erster Klasse. Jaaaa, es ist zwar nicht das erste Mal, aber das erste Mal mit richtiger Fahrkarte. Freu. Da nimmt man das vom Schaffner verteilte Rocher noch viel lieber an. Und das zweite..
Nachdem der Service nicht auftauchen will, entscheiden wir die Poca muss in den Bistrowagen um was zu trinken zu besorgen. Jetzt ist mir auch klar, warum der Service mit dem Kaffee und den Getränken nicht kommt. In der zweiten Klasse herrscht Verstopfung. Ist aber nicht schlimm, ich hab ja Zeit.
Und da sind wir schon. Am Flughafen Frankfurt. Wenn ich in Frankfurt am Flughafen bin, dann ist das immer ein viel tolleres Gefühl, als wenn ich in M oder S abfliege. Fernreise droht hier nämlich immer, und das fühlt sich einfach klasse an. Das letzte Mal, das ich in F abgeflogen bin, gings nach Méchico über Houston, jetzt also Direktflug nach Beijing. Letzte Mahlzeit an Land, Schinkensemmel mit Apfelschorle.
Fernweh ist ein tolles Gefühl. Der Flieger steht bereit.